Glossar · Landschaft und Küste

Caldera als vulkanische Landschaft erklärt

Caldera de Taburiente, Caldera de Bandama, die Caldera von Las Cañadas am Teide: Auf den Kanaren stolperst du ständig über dieses Wort. Es klingt nach Vulkan und meint auch fast immer einen. Doch nicht jede Caldera ist auf dieselbe Weise entstanden. Hier erfährst du, was der Begriff fachlich bedeutet und was er für deinen Besuch heißt.

Von der mySpanien Redaktion Aktualisiert am

Trockene Vulkanlandschaft mit Felsformationen und einem hohen Vulkankegel
Vulkanlandschaften verbinden Kegel, Senken und Lavafelder auf engem Raum.

Kurz erklärt

Caldera bezeichnet in der Geologie eine große, kesselförmige Senke in einem Vulkangebiet. Meist entsteht sie, wenn sich eine Magmakammer unter der Oberfläche teilweise leert und das Gestein darüber einbricht. Eine Caldera ist deutlich größer als ein Krater. Auf den Kanaren tragen auch Landschaften diesen Namen, die vor allem die Erosion geformt hat, etwa die Caldera de Taburiente auf La Palma.

Auf einen Blick

  • Eine Caldera ist ein großer vulkanischer Kessel, meist entstanden durch Einbruch über einer sich leerenden Magmakammer.
  • Ein Krater ist kleiner und entsteht vor allem durch Explosionen. Die Grenze ist fließend, die Größe ist das wichtigste Merkmal.
  • Die Caldera de Taburiente auf La Palma ist ein Sonderfall: Ihre heutige Form verdankt sie vor allem der Erosion.
  • Aus der Landschaftsform lässt sich nicht ablesen, ob ein Vulkan gerade aktiv ist.

Was das Wort Caldera bedeutet

Im Spanischen heißt Caldera zunächst Kessel, also ein großes Metallgefäß zum Kochen oder Erhitzen. Das Wörterbuch der Real Academia Española führt daneben eine geologische Bedeutung: eine Senke von großen Ausmaßen mit steilen Wänden, entstanden durch sehr heftige Vulkanausbrüche. Das Bild ist leicht zu verstehen. Von oben gesehen wirkt eine solche Landschaft wie ein riesiger Topf, in den man hineinschaut.

Spannend für Kanarenreisende: Der Fachbegriff hat eine Verbindung zu La Palma. Laut der internationalen Geoheritage-Kommission der IUGS wurde der örtliche Ausdruck Caldera Anfang des 19. Jahrhunderts an der Caldera de Taburiente erstmals für eine solche Landform verwendet. Geologen wie Charles Lyell übernahmen ihn und so wurde daraus ein weltweit genutzter Begriff der Vulkankunde.

Wie eine Caldera typischerweise entsteht

Der Geologische Dienst der USA, der USGS, beschreibt eine Caldera als große, beckenförmige vulkanische Senke, deren Durchmesser ein Vielfaches der darin liegenden Schlote beträgt. Sie kann etwa 2 bis 50 Kilometer breit sein. Meist entsteht sie wenn Magma aus einer flachen Kammer unter der Oberfläche abfließt oder ausbricht. Dem Gestein darüber fehlt dann die stütze, der Boden bricht ein und es bildet sich die große Senke.

Das muss nicht mit einer gewaltigen Explosion verbunden sein. Der USGS nennt als Beispiel den Gipfel des Kīlauea auf Hawaii. Dort brach der boden 2018 ein, nachdem ein Lavaausbruch die Magmakammer teilweise geleert hatte. Die Bedeutung im spanischen Wörterbuch, die von sehr heftigen Ausbrüchen spricht, ist für den Alltagsgebrauch also etwas vereinfacht.

Caldera oder Krater?

Ist jede Caldera ein Explosionskrater? Nein. Krater ist der allgemeinere Begriff für eine geschlossene Mulde im Gelände die auch andere Ursachen haben kann. Vulkanische Krater entstehen laut USGS vor allem dadurch, dass Explosionen Gestein aus dem Schlot herausschleudern, oder durch kleinere Einbrüche nahe der Oberfläche. Eine Caldera ist eine besondere Art von Senke, die vor allem durch ihre Größe und den Einbruch über einer Magmakammer auffällt.

Als grobe Faustregel nennt der USGS: Ein Einbruch von wenigen hundert Metern Breite ist ein Krater, einer von meist mehr als einem Kilometer eine Caldera. Die Grenze ist ausdrücklich unscharf. Am Ende bleibt die einfache Merkhilfe des USGS: Eine Caldera ist größer, ein Krater kleiner.

Drei vulkanische Senken im Vergleich
FormTypische EntstehungGrößenordnung
KraterExplosionen am Schlot oder kleiner Einbruch nahe der Oberflächemeist bis einige hundert Meter
EinsturzcalderaEinbruch, nachdem sich eine Magmakammer teilweise geleert hatmeist über einen Kilometer
ErosionscalderaKessel, den Rutschungen und Wasser stark ausgeräumt habensehr unterschiedlich, Taburiente rund 8 Kilometer

Sonderfall Caldera de Taburiente

Warum ist Taburiente ein besonderer Fall? Weil ihr heutiges Gesicht vor allem von der Erosion stammt. Das spanische geologische Institut IGME nennt sie das beste Beispiel einer erosiven vulkanischen Caldera auf den Kanaren und in Spanien und eine der größten Erosionscalderas der Erde. Im Inneren sind Steinschlag, Rutschungen, kippende felsblöcke und das tiefe Einschneiden des Barrancos zu erkennen. Diese Vorgänge legen sämtliche Gesteinsserien der Insel frei, von ihren Anfängen unter dem Meer bis zu den späteren Ausbrüchen an Land.

Die IUGS-Kommission beschreibt einen Kessel von etwa acht Kilometern Durchmesser und mehr als 2000 Metern Tiefe mit fast senkrechten wänden. Riesige Rutschungen und die tiefe Kerbe der Schlucht von Las Angustias haben ihn zum Atlantik hin geöffnet. Mehr über solche Einschnitte erfährst du im Eintrag zum Barranco. Der Name Caldera beweist hier also keinen einzelnen großen Ausbruch. Seit 1954 ist das Gebiet ein Nationalpark, das Gründungsdekret stammt vom 6. Oktober jenes Jahres.

Weitere Calderas auf den Kanaren

Auf Teneriffa beschreibt die Seite des Nationalparks Teide den Circo de Las Cañadas als riesige vulkanische Caldera, in deren Innerem sich der Teide mit dem Pico Viejo erhebt. Der Teide ist ein schichtvulkan und mit 3715 Metern der höchste Berg Spaniens. Wie du den Park mit seinen Aussichtspunkten in deine Reise einbaust, liest du bei den Sehenswürdigkeiten auf Teneriffa.

Auf Gran Canaria liegt die Caldera de Bandama, ein Naturdenkmal nicht weit von der Hauptstadt. Laut dem Tourismusportal der Insel ist sie rund 216 Meter tief und etwa 1100 Meter breit. Das Tourismusportal der Kanaren führt sie auf gewaltige unterirdische Explosionen zurück. Mit dieser Größe und Entstehung liegt sie nahe an der unscharfen Grenze zwischen Krater und Caldera. Das zeigt gut dass ein Name auf der Landkarte nicht die Geologie erklärt.

Was eine Caldera für deinen Besuch bedeutet

Für dich als Besucher zählt vor allem das Relief. Steile Wände bedeuten lange Ab- und Aufstiege und der Weg zurück nach oben kostet oft mehr Kraft als der Weg hinein. In die Caldera de Bandama führt laut Tourismusportal ein Wegenetz rund 170 Meter hinab bis zum Boden. Außerdem gibt es einen Rundweg am Rand entlang. In der Caldera de Taburiente sind die Strecken deutlich länger und anspruchsvoller. Bei Vorwarnungen für starken Regen sperrt die Parkverwaltung dort einen Abschnitt am Reventón, bis das Wasser im Barranco de Las Angustias wieder sinkt.

Sagt eine Caldera etwas über aktuelle Vulkanaktivität aus? Nein. Die Form zeigt was in der Vergangenheit geschehen ist. Ob ein Vulkangebiet heute ruhig ist oder beobachtet wird, erfährst du nur aus aktuellen amtlichen Mitteilungen, nie aus der Landschaft selbst.

Respekt gehört dazu. Das Tourismusportal von La Palma bittet darum, weder Steine noch andere Dinge aus der Natur mitzunehmen und auf den markierten Wegen zu bleiben, weil das Verlassen der Wege die Umwelt schädigt und gefährlich werden kann. Übernachten kannst du außerhalb der Schutzgebiete, auf La Palma etwa in einer ländlichen Unterkunft wie einer Casa rural.

Was der Name nicht verrät

Der Name Caldera ist kein geologisches Gütesiegel. Er kann einen Einsturzkessel meinen, einen Erosionskessel oder eine Senke, die Fachleute eher als großen Krater einordnen würden. Er sagt auch nichts über Wege, Sperrungen oder die Gefahrenlage. Wer das weiß versteht die vulkanische Landschaft der Kanaren als Ergebnis sehr verschiedener Vorgänge, von Ausbrüchen über Einbrüche bis zu Rutschungen und Wasser.

Weitere Begriffe von der Schlucht bis zur Strandbar findest du im Spanien-Glossar von mySpanien. Und wenn feststeht, welche Insel es werden soll, hilft dir unsere Angebotsseite beim Vergleich von Unterkunft und Anreise.

Quellen und offizielle Informationen

  1. caldera, Diccionario de la lengua española, Real Academia Española und ASALE, abgerufen am 25. Oktober 2026
  2. Volcano Hazards Program Glossary: Caldera, U.S. Geological Survey (USGS), abgerufen am 25. Oktober 2026
  3. Caldera or crater, what’s the difference?, U.S. Geological Survey, Yellowstone Volcano Observatory, abgerufen am 25. Oktober 2026
  4. IC6001: Caldera erosiva cuaternaria de Taburiente, Instituto Geológico y Minero de España (IGME), abgerufen am 25. Oktober 2026
  5. Taburiente volcanic Caldera in La Palma Island, IUGS, International Commission on Geoheritage, abgerufen am 25. Oktober 2026
  6. Decreto de 6 de octubre de 1954 por el que se crea el Parque Nacional de la Caldera de Taburiente, Boletín Oficial del Estado, abgerufen am 25. Oktober 2026
  7. Caldera de Taburiente: Itinerarios, Ministerio para la Transición Ecológica, Red de Parques Nacionales, abgerufen am 25. Oktober 2026
  8. Parque Nacional del Teide, Ministerio para la Transición Ecológica, Red de Parques Nacionales, abgerufen am 25. Oktober 2026
  9. Caldera de Bandama, virtuelle Route, Gran Canaria, offizielles Tourismusportal, abgerufen am 25. Oktober 2026
  10. Bandama Natural Monument, Hello Canary Islands, Tourismusportal der Kanarischen Inseln, abgerufen am 25. Oktober 2026
  11. Caldera de Taburiente, Wanderroute, Visit La Palma, Tourismusportal des Cabildo de La Palma, abgerufen am 25. Oktober 2026

Bildnachweise: Foto: Svetlana Gumerova / Unsplash; weitere Bilder: KI-generiert.

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